„Fuck U“ oder: die Sommerpause ist vorbei

Nach fast genau einem Monat Untätigkeit geht’s hier wieder los. Dieses Mal gibt’s was Neues aus Stink Fauli…, äh, Sankt Pauli. Dort haben sich einige Menschen im Rahmen einer gaaaanz anders Gedachten „Kunstaktion“ zur „Eventkultur“ in Hamburg, speziell auf St. Pauli, nonverbal geäußert und kommen damit jetzt so richtig groß raus! So groß, dass sie als deutlicher Gewinner eines Wettbewerbs hervorgehen und dazu noch einiges an medialer Aufmerksamkeit erhalten. Was war passiert?

Hamburg erlebt seit einigen Jahren eine Schwemme von „Events“. Die bekanntesten sind wohl der „Schlagermove“, der schon etwas in die Jahre gekommene Hafengeburtstag und (bis vor kurzem) die „Harley-Days“. Letztes Wochenende fanden dann gleich zwei „Events“ statt: Einmal die vom Atom- und Kohlestrom-Produzenten Vattenfall gesponserten „Vattenfall Cyclassics“, (ein Radrennen durch Hamburg) und die “Cruise-Days“, quasi dasselbe wie der Hafengeburtstag. Schiffe, bzw. Kreuzfahrtriesen und Feuerwerk gucken ist dann mal wieder die Devise. Genau dieses „Event“ sucht Hamburg in immer kürzeren Abständen und unter anderen Namen heim, so dass unweigerlich die Frage aufkommt, warum die „Cruise-Days“ am Wochenende einen Besucherrekord von einer viertel Million Menschen verbuchen konnten.
Wie dem auch sei: Viele Menschen sind von diesen mehr als langweiligen Veranstaltungen genervt, zum Teil auch deshalb, weil sich die Menschenmassen durch immer dieselben Viertel und Stadtteile schieben, hauptsächlich durch St. Pauli. Dieses Mal erstrahlte der Hafen anlässlich der „Cruise-Days“ in einem Licht, welches doch sehr den Neonröhren in Parkhäusern und Unterführungen ähnelt. Dies wurde dann Kunst genannt und verbrochen hat den „blue port“ Michael Batz, seines Zeichens „Lichtexperte“. In völliger Verkennung der Lage startete man bei dem Stadtportal hamburg.de eine Aktion, bei der alle Interessierten eigene Fotos von eben diesem Neonröhrenevent hochladen konnten. Dem Gewinner winkte dann ein Großabzug seines Fotos samt Widmung vom „Lichtexperten“. Außerdem sollte das Foto für eine Woche als Titelfoto der facebook-Seite von hamburg.de zu bewundern sein.
Und jetzt kommt das in der Überschrift schon angesprochene „Fuck U“ ins Spiel:
Als Kontrapunkt zur Hamburger Event“kultur“, welche in dieser Form einen ihrer traurigen Höhepunkte erreichte, errichteten einige Menschen auf der Fußgängerbrücke über die Hafenstraße ein kurzes und knackiges „Fuck U“:
fuck u blue port
Quelle: strassenfotografie.org

Und eben dieses „Fuck U“ wurde bei hamburg.de auf gleich 5 Bildern hochgeladen, die dann doch glatt mit großem Abstand zu den restlichen Fotos die Plätze 1-5 belegten: Während es die „Fuck U“-Bilder zusammen auf über 5000 Stimmen brachten, bekamen die übrigen Fotos zusammen etwa 50 (in Worten: Fünfzig) Stimmen. Dumm gelaufen also für die selbsternannten Imagepolierer von hamburg.de.
Nachdem man dann heute über das Hamburger Abendblatt verlauten ließ, dass man den Wettbewerb trotzdem weiterlaufen lassen würde, wenn auch unter veränderten Bedingungen, nämlich einem „Sieger der Herzen“ (Eins der „Fuck U“ Bilder) und einem „technischen Sieger“ (eins der Bilder mit den wenigsten Stimmen), verschwand das Ganze dann am Nachmittag von der Bildfläche alias hamburg.de.
Wie dem auch sei: Eine gelungene Aktion, die mit wenig Aufwand viel Aufmerksamkeit erreicht und die „Message“ erfolgreich rübergebracht hat. Und zudem entlarven sich die Macher des Wettbewerbs selbst, in dem sie ihre eigenen Spielregeln nicht einhalten und sich dann auch noch klammheimlich aus der Affäre zu stehlen versuchen. Was man mit ein paar Neonröhren doch erreichen kann…

blueport topliste
Screenshot der „blue port“ Topliste

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1 Antwort auf „„Fuck U“ oder: die Sommerpause ist vorbei“


  1. 1 „Fuck U“ oder: die Sommerpause ist vorbei « Überleben in Altona Pingback am 21. August 2012 um 21:15 Uhr

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