„K.o.-Tropfen“ oder Glühwein am Tallinn-Stand?

„Wenn man aus der S-Bahnstation Altona in Richtung Ottenser Hauptstraße läuft, dann duftet es schon von Weitem nach Punsch. Da fällt es schwer, einfach vorbeizulaufen.“

So heißt es bei den „Stadtteilreportern“ im Hamburger Abendblatt. Ich hingegen meide die Ottenser Hauptstraße vor allem dann, wenn es schon von Weitem nach Punsch und Verderben riecht. Nicht nur, weil die Yuppies dort wieder einen ihrer Chaostage abhalten, sondern weil mich dieser beschissene Vorweihnachtstrubel einerseits anödet und andererseits tierisch nervt. Nun hat sich zum Konsumterror der vergangenen Jahre endgültig der Saufterror dazugesellt:

„Ein freundlich wirkender Mann eilt über Berliner Weihnachtsmärkte und gibt Schnapsfläschchen aus. „Kleiner Feigling“ soll er im Sortiment geführt haben, und als wäre das nicht bereits terroristisch genug, hat er auch noch K.-o.-Tropfen untergemischt, sodass die Opfer ziel- und orientierungslos über den Markt torkelten. Erstaunlich, dass das überhaupt aufgefallen ist; weniger, dass die Berliner Polizei die ersten Fälle nicht ernst nahm, sondern auf das typische Freizeitverhalten von Betriebsausflüglern tippte “1

Ziel- und Orientierungslosigkeit? K.o.-Tropfen? Wenn ich solche Zeilen lese, muss ich sofort an den „Tallin-Stand“ direkt am Spritzenplatz denken. Über den habe ich eigentlich nur schlechtes gehört. Beziehungsweise über den dort verkauften Glühwein. Fahrradunfall oder eine Woche Krankgeschrieben nach 1,2 vernichteten Glühweinen waren da noch die harmloseren Sachen. Und außerdem frag ich mich immer: Was ist so geil daran, in der Kälte rumzuhängen, sich die Finger und Füße fast abzufrieren und sich gepanschten Schnaps reinzuziehen? Zugegeben: Wirklich anderes haben wir anno 1995 in der Lübecker Fußgängerzone auch nicht gemacht. Nur mit dem Unterschied, dass man statt Glühwein vornehmlich Bier aus Dosen getrunken hat und quasi das ganze Jahr in der Fußgängerzone rumhing. Aber das hatte auch ne Aussage, verdammt nochmal! Welche genau, fällt mir jetzt gerade nicht ein…aber wir hatten bunte Haare, im Kasi² lief Punk und die Bullen tauchten öfter mal auf. Also reicht doch, oder was?! Dat is Punk, dat raffste nie…! Aber zurück zum eigentlichen Thema: Im Prinzip kann einem das alles ja egal sein, man macht einfach nen Bogen um die Ottenser Hauptstrasse und gut is. Nur leider breitet sich das Ganze immer mehr aus, neuerdings versucht man offenbar auch, Altona-Altstadt, bzw. die große Bergstr. in das Elend hineinzuziehen. Genau bei der Ikea Baustelle stehen jetzt zwei blau/gelbe Häuschen mit Weihnachtsdeko, großen Kesseln und schlechter Musik. Man kann sich nun also auch im (wahrscheinlich bald nicht mehr) „runtergekommenen“³ Teil Altonas kurz vor Weihnachten die Leber kaputt saufen. Aber damit nicht genug: Ich werde mich doch tatsächlich morgen auch auf den Weihnachtsmarkt zusammen mit meinen ArbeitskollegInnen begeben, um bei selbigen nicht total unten durch zu sein. Nicht, dass ich am Ende wegen sowas noch gemobbt werde. Und mit irgendwas muss ich meinen ersten Artikel ja vollkriegen…

Der Tag danach

Tja, hier sollte nun eigentlich stehen, was nicht alles für total abgefahrene Sachen passiert sind, so nach dem Motto „saufen, kriechen, kotzen (gegebenenfalls auch noch vom Fahrrad fallen)“ und wie scheiße kalt es doch war (war es auch). Aber es ist rein gar nix passiert! Außer vielleicht, dass ich die ganze Zeit Lust hatte, die an den Tannenbäumen hängenden Geschenkekartons mit diesen süßen Schleifchen dran auszupacken. Aber das habe ich mich nicht getraut, weil ich mir nicht genügend Mut angesoffen hatte und überall diese verdammten Securities rumgestanden haben. Letztendlich waren wir dann auch auf dringlichen Wunsch einer Kollegin nicht am Tallinn-Stand …

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1 Taz vom 12.12.11
2 Abkürzung für Kassettenrecorder. War in den 80er und 90ern des letzten Jahrhunderts ziemlich verbeitet
3 Hamburger Abendblatt 24.06.2008

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1 Antwort auf „„K.o.-Tropfen“ oder Glühwein am Tallinn-Stand?“


  1. 1 „Alkohol kann tödlich sein- muss aber nich!“ « Überleben in Altona Pingback am 30. November 2012 um 20:55 Uhr

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