OZ tot, Medien :) ?

Ende der 80er Jahre lernte der Autor dieser Zeilen als Kind die Kunst von OZ in einer „Großstadt“ in Schleswig-Holstein kennen. In dieser Stadt, welche auch als „einzige westdeutsche Großstadt direkt an der Grenze zur DDR“ bekannt ist, tauchten zu dem Zeitpunkt unzählige Smileys an Stromkästen und anderen Häßlichkeiten auf, die in deutschen Großstädten ab den 1960er Jahren entstanden. Schon damals verzierte OZ in erster Linie Dinge, die durch einen gesprühten Smiley nicht in ihrer Funktion beeinträchtigt wurden.
Fiel einem der erste auf, wurde man das ständige Lächeln nicht mehr los und irgendwann war man ein bisschen genervt von diesen fast durchweg grinsenden „Gesichtern“.
Egal, ob man Omi im Betonghetto besuchte, ob man mit Freunden unter Eisenbahnbrücken Scheiße baute oder morgens mit schlechter Laune zur Schule fuhr: OZ war überall präsent mit seinen Smileys- wenn ER es denn war, der die Smileys gesprüht hat…

Die nächsten Begegnungen mit der Kunst von OZ fanden dann in Hamburg statt, als wir Ende der 90er Jahre mittels Deutscher Bahn zu Konzerten nach Hamburg fuhren.
In einer S-Bahn unterhielten wir uns über das, was wir zwischen Holstenstraße und Altonaer Bahnhof aus dem Fenster sahen. Eine junge Frau mischte sich energisch, schon fast sauer in unser Gespräch ein:

„Das heißt nicht OZ, das heißt Oli, ihr seid wohl nicht von hier!“

Ungefähr zu dem Zeitpunkt ging die mediale Hetze gegen OZ in die erste Runde, BILD titelte:

„Der Irre, über den ganz Hamburg empört ist“

Er ging mehrfach in den Knast, wurde einmal von Schlägern der Hamburger S-Bahn-Wache fast totgeprügelt. Ronald Schill wurde mit den Worten zitiert:

„Ich habe mit mehreren Menschen gesprochen, und keiner konnte eine gewisse Schadenfreude verbergen“

Als OZ im Knast landet, schreibt die BILD:

„Endlich im Knast! Tschüss, Schmierfink! Versuch doch mal, diese vier Wände zu bepinseln!“

Aber auch der Knast, in dem er insgesamt knapp 8 Jahre zubrachte, konnte ihn nicht von seinem tun abbringen.
Am 25. September starb OZ ausgerechnet auf den Gleisen der Hamburger S-Bahn, die Beerdigung fand letzten Freitag auf dem Ohlsdorfer Friedhof statt.


Gedenken an OZ: Hamburger S-Bahn nach seinem Tod. (Quelle. Ahoihamburg.net)

Beide Ereignisse waren allen lokalen Medien ausführlichere, selten auch nur halbwegs vernünftige, Berichte wert.
Die BILD „Zeitung“, über die man ja nicht mehr viele Worte verlieren muss, wenn es um jemanden wie OZ geht, schrieb in einer Mischung aus Freude und Erleichterung:

„Vorbei. Walter Josef F. ist tot. „OZ“ sprayt nie wieder.“

Überhaupt die Springerpresse.
Egal ob Flüchtlinge, Rote Flora oder Hafenstraße, „Schwarzafrikanische Drogendealer“, Gefahrengebiete oder eben OZ:
Auf dem Gebiet der Hetze hat man seit Jahrzehnten seine Profis im Stall. Welche, die sich bestens mit der Materie auskennen und imstande sind, mittels ein paar Zeilen die Volksseele zum Kochen zu bringen. Welcher anständige, ordnungsliebende Bürger hätte OZ nicht gerne so eine Abreibung verpasst, wie oben beschriebene S-Bahn-Wache? Noch dazu, wenn jemand wie OZ medial zum Abschuß freigegeben wird. „Kollateralschäden“ sind dann nahezu ausgeschlossen und man weiß die bürgerliche Öffentlichkeit hinter sich.
Ein Blatt aus dem selben Stall, welches sich aber eher an das „anständige“ Hamburger Hanseatentum richtet und dementsprechend meist nicht ganz so plump agiert wie die „Zeitung“ mit den vier großen Buchstaben, ist das Hamburger Abendblatt.
Ansprechen will man eher die (rechte) FDPCDUSPD Wählerklientel der Stadt, die sich meist in den Hamburger Elbvororten oder rund um die Alster findet.
Deshalb kann man bei dieser Zeitung auch immer mal wieder beobachten, dass durchaus Sympathien gehegt werden für das, was mit Bezeichnungen wie „urban“, „kreativ“ oder gar „alternativ“ belegt wird. Es muss nur verwertbar sein, also gut für den „Standort Hamburg“.
Deshalb hat zwischenzeitlich in einigen Teilen der Gesellschaft ein Umdenken in puncto Streetart stattgefunden.
Nicht nur für millionenschwere Kunstsammler ist ein Banksy mittlerweile ein „must have“, sondern eben auch für europäische Großstädte, die erkannt haben, dass Streetart durchaus ein Standortfaktor sein kann.
Und so lässt sich auch bei der Berichterstattung des Hamburger Abendblatts ein gewisses Umdenken erkennen.


Nach 20 Jahren restauriert und durch Glas geschützt: „Schmiererei“ von Blek Le Rat in Leipzig (Foto: detektor.fm)

Hieß es noch 2006 „Oz schmiert wieder“, schreibt man nun im Nachruf vom „geheimnisvollen Sprayer ‚OZ‘“.
Denn wer weiß: Eventuell kann man Hamburg in den nächsten Jahren als „Kreativhauptstadt“ bezeichnen, weil OZ hier mehrere hundertausend Bilder und Schriftzüge hinterlassen hat?
Man hätte dann sicherlich wieder etwas aufgeschlossen zum „hippen“ Berlin, welches sein Streetartvermächtnis in Form der Berliner Mauer schon längst dem Erdboden gleich gemacht hat.
Folgerichtig beginnt für das Abendblatt nun „die Debatte um den möglichen Erhalt seines Werkes.“
Trotzdem bleibt er (vorerst) der „umstrittene Graffiti-Künstler“, man distanziert sich aber mehr oder weniger von der alten Berichterstattung und so ist er nun nur noch für die Ermittlungsbehörden ein „renitenter Sachbeschädiger“. Überhaupt die Ermittlungsbehörden:
Dort hält man ihn „wahrscheinlich für psychisch krank“(sic!), Problem bei dieser Einschätzung ist nur, dass dies von Psychologen und anderen „Experten“ ganz anders gesehen wird.
Und so muss das Abendblatt diese psychologische Interpretation etwas einschränken, denn für diese respektlose Behauptung „fanden sich keine Gutachter, die das auch so bescheinigten.“
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Weil sich jemand durch Knast, mediale Hetze und dem gewalttätigen Volksmob nicht von seinem Tun abbringen lässt, versucht man ihn für Verrückt zu erklären. Erschreckend und billig zugleich.


Ein Gruß an den deutschen Mob? OZ Werk im Rahmen der Daueraustellung @ OZM

Für das Abendblatt ist OZ nun „das geborene Opfer“, für das man nun auf einmal Verständnis hat und das sich stets „verfolgt und gedemütigt von seinen Mitmenschen sah“.
So als hätte es die regelrechte Hetzjagd auf ihn, an der sich Springer als mediale Speerspitze beteiligte, nie gegeben.
Wenn man als Journalist beim Abendblatt Artikel verfassen will, muss man aber nicht nur „Verständnis“ für Outlaws haben sondern auch ein Kunstexperte sein, denn
„dass Walter Josef Fischer weder zeichnen noch malen konnte, ist inzwischen bewiesen“.
Beweise, sofern so etwas überhaupt zu beweisen ist, bleibt man auch hier schuldig.
Allerdings wird trotzdem erwähnt, „dass bereits mehrere Anträge vorliegen, einige seiner Werke unter Denkmalschutz zu stellen“.
Zum Schluss befeuert das Abendblatt das Rätselraten um den Schriftzug „OZ“. Denn wie die Eingangs zitierte junge Frau Ende der 90er in der S-Bahn, gab es den vergangenen Jahren immer wieder verschiedene Interpretationen des Schriftzugs: Der „Kunsterzieherin Eva-Maria Guzinski, die einmal pro Woche ehrenamtlich einen zweistündigen Malkurs für Strafgefangene veranstaltete,
habe er verraten, was „OZ“ in Wahrheit bedeuten würde: ‚Ohne Liebe, ich ziehe bloß den Farbstrahl vom O zum L rüber‘ – so hat er es mir jedenfalls erklärt“
.

Passend zum Tod von OZ und dem (medialen) Umgang mit ihm:
„Etikette tötet“ von der Hamburger Punkband Slime:

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Mos maiorum: EU-weite Jagd auf Flüchtlinge

Während in Mecklenburg-Vorpommern erneut Brandanschläge auf Flüchtlingsheime verübt werden…
…während die Diskussion über Mißhandlungen von Flüchtlingen durch „Securitys“ noch läuft…
…für die 300 Flüchtlinge aus Lampedusa in Hamburg immer noch keine Lösung gefunden wurde…

…findet europaweit eine staatliche Jagd auf Menschen statt, die sich ohne gültige Papiere innerhalb der EU aufhalten.
„Erkenntnisse zur unerlaubten Migration zur Erstellung eines europaweiten Lagebildes verdichten“ nennt das die Bundesregierung, die Aktion trägt den vielsagenden Namen „mos maiorum“ (Sitte der Vorfahren).
Anstatt sich endlich darüber zu verständigen, wie man Flüchtlinge hierzulande menschenwürdig unterbringt, schickt man die Bundespolizei, die sich unter anderem an deutschen Bahnhöfen postiert und alle, die nicht „deutsch“ genug aussehen, „überprüft“. Racial Profiling nennt sich sowas und ist hierzulande verboten.
Wer nicht „deutsch“ genug aussieht, sollte in diesen Tagen öffentliche Orte wie Bahnhöfe meiden, will er nicht in entwürdigende Kontrollen geraten.
Antirassistische Gruppen haben deshalb eine Reisewarnung herausgegeben:

„Vom 13.-26.10. findet in der gesamten EU eine Polizeioperation unter dem Namen /”mos maiorum”/ statt. In diesen zwei Wochen werden etwa 18.000 Polizisten in enger Zusammenarbeit mit FRONTEX auf Jagd nach Menschen ohne Aufenthaltsstatus gehen. Sie wollen unsere Migrationswege herausfinden und möglichst viele von uns festnehmen.
Warnt bitte alle Menschen ohne Papiere! Vor allem in Zügen, auf Bahnhöfen, an Flughäfen, auf Autobahnen und an innereuropäischen Grenzen sind vermehrt Kontrollen zu erwarten.“

Überleben in Altona wünscht hiermit Frontex, Bundespolizei und all den andere Abschiebebehörden die Pest an den Hals!

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Squatting Days schon am ersten Tag in vollem Gange

Seit gestern finden die Squatting Days in Altona statt. Während im August-Lütgens-Park mit Workshops, Diskussionen und Kino begonnen wurde, ging es nicht weit entfernt tatkräftig zur Sache:

In der Breiten Straße wurde ein Haus besetzt (das 2. mal innerhalb eines Jahres), in Hamburg-Bahrenfeld eine Freifläche, die schon einmal einen Bauwagenplatz beherbergte und 2002 durch Schwarz/Schill geräumt wurde. Das Haus wurde trotz heftigem Widerstand von der Polizei geräumt, der Platz ist bis jetzt immer noch besetzt.

Infos zum Haus Breite Straße 114 – 116

Die Squatting Days dauern noch bis einschließlich Sonntag an. Im August-Lütgens-Park wird weiterhin gezeltet und diskutiert, für Interessierte gibt es dort ein sehr umfangreiches Programm, am 30.8. findet ein Aktionstag statt, eine große Demo ist ab Park Fiction geplant.

Wer online auf dem Laufenden bleiben will, guckt hier rein.


Bild: ndr.de

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Vorsitzender von rassistischer Partei verklagt Blogsport

Kevin Hauer, Vorsitzender der rassistischen Partei „Pro NRW“, verklagt den Hoster Blogsport, der auch von Überleben in Altona genutzt wird.

Wir dokumentieren an dieser Stelle die Presseerklärung von blogsport.de:

„Die Veröffentlichung von Aufnahmen, auf denen der stellvertretende Vorsitzende der islamfeindlichen Partei „Pro NRW“, Kevin Hauer, den rechten Arm emporreckt und mit einem Hitler-Bild posiert, löste eine Anzeige sowie Ermittlungen der Staatsanwaltschaft aus. Nun verklagt der auch als Ratsherr von Gelsenkirchen tätige Hauer einen kleinen, alternativen Blog-Provider und fordert von ihm Geld für immaterielle Schäden.

Hauer wirft dem Hoster vor, sein Recht am eigenen Bild verletzt zu haben, indem er die Fotos nicht binnen Tagesfrist entfernen ließ. In der Klageschrift bestreitet der Anwalt jedes öffentliche Interesse an der Kenntnis der Aufnahmen, denn ohne den situativen Kontext sei das Posieren mit einem Hitlerbild im Grunde „aussagelos“. Gleichwohl berichteten Medien wie die „Westdeutsche Allgemeine“ kurz nach der Veröffentlichung der Fotos ausführlich über deren Inhalt, der Rat der Stadt debattierte über den Sachverhalt, und die Staatsanwaltschaft Essen leitete Ermittlungen wegen des Verdachts auf Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ein.

Vertreten lässt sich Hauer in der Klage gegen blogsport ausgerechnet von dem Anwalt Dr. Björn Clemens, der als stellvertretender Vorsitzender der „Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland“ (JLO) einer vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Organisation angehört. Das Jahr der Befreiung vom Faschismus titulierte Clemens in einer Rede als „die geistige Niederlage von 1945“.“

Für den Provider ist dies ein Hinweis darauf, dass es sich um eine politisch motivierte Klage handelt, da auf seiner Plattform auch viele Seiten gegen rechts gehostet werden. „Der Zweck ist Einschüchterung“, so blogsport in einer ersten Stellungnahme. Der Kläger wisse, dass er es mit einem kleinen Unternehmen zu tun habe. „Statt zu argumentieren, wird sofort geklagt. Das Vorgehen setzt auf maximalen Schaden.“

*Spendenkonto:*

Rote Hilfe e.V. Berlin
Stichwort: “Blogsport Soli”
IBAN: DE55 4306 0967 4007 2383 17
BIC: GENODEM1GLS
GLS-Bank

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Hamburger BFE aka Slapsticktruppe

Folgende Bilder sowie der Text sind von Jonas Walzberg Photographie.
Das ganze spielte sich am 5.6. im Rahmen der Proteste gegen einen brutalen Polizeieinsatz vor dem Hamburger Rathaus ab.

bfe1
Ein Aktivist versucht durch eine Reihe Beamte der BFE-Einheit zu sprinten, diese stellen ihm ein Bein…

bfe2
…gekonnt rettet er sich mit einer Rolle…

bfe3
…drei Beamte hechten ihm nach, der rechte holt mit dem Bein aus…

bfe4
…ein anderer bekommt den Aktivisten zu fassen…

Bfe5
…und versucht ihn zu Boden zu bringen…

bfe6
…gerät dabei aber selbst aus dem Gleichgewicht, der Aktivist kann ihn abstreifen…

bfe7
…und entwischt nach einem Sprint (bei dem er seinen rechten Schuh verliert) auch dem dritten Beamten, während der zweite zu Boden fällt. Einen Moment später stolperte noch eine Kollegin über den gerade sich wieder aufraffenden Beamten und beide gehen gemeinsam erneut Richtung Asphalt(…)

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